Segen und Fluch der Krankits

 

Seit ca. 25 Jahren gibt es Krankits mit denen Kranbauer plug-and-play Standardkrane herstellen können. Mittlerweile hat sich die ursprüngliche Idee zu einem hochentwickelten flexiblen Systemprodukt entwickelt. Es bedarf nur noch ein wenig Stahlbau – den Hauptträger – und auch kleine Firmen können Standardkrane auf hohem technischem Niveau anbieten.

Die großen Komponentenhersteller freuen sich über diesen lukrativen Vertriebskanal für Ihre Komponenten. Organisatorisch ist ein Krankit elegant abzuwickeln weil es ja eigentlich ein Laufkran ohne Hauptträger ist. Es steigert die Stückzahlen, ist logistisch einfach zu handhaben und sorgt für zusätzliche Ersatzteilgeschäfte in der Zukunft.

Ob die Krankits für die kleinen Kranbauer eine ebenso glänzende Lösung sind darf zumindest in Teilaspekten angezweifelt werden. Zunächst konkurriert der Kranbauer am Markt mit technischen Lösungen und Argumenten die mehrere andere Wettbewerber exakt gleich ins Feld führen. Sein Krankitlieferant ist zudem fast stets einer dieser Wettbewerber, der, wenn er schon seinen Kran nicht verkauft, doch das Krankit liefert, was ihm unter Umständen sogar lieber ist. Ein Ersatzteilgeschäft ergibt sich für den Krankitnutzer auch nur eher selten, kann jeder Endkunde dank Google doch in 5 Minuten mindestens 5 alternative Bezugsquellen für Ersatzteile der Marke X herausfinden. Zudem haben Einbrüche am Kranmarkt, wie z.B. in der weltweiten Krise 2008/2009 gezeigt, dass die Komponentenlieferanten ihre Preise für Komplettkrane viel stärker senkten als ihre Krankit-Preise. Nicht wenige kleine Kranbauer brachte das in ernste Schwierigkeiten.

Ein Aspekt, der bis dato kaum gesehen wird ist die Verflachung der fachlichen Kompetenz auf Seiten der Krankitnutzer. Die plug-and-play Kultur fördert nicht sonderlich die fachliche Kompetenz, sie sorgt eher für deren Aushöhlung. Versuche, sich auf dem Markt dann doch wieder mit technisch anspruchsvolleren speziellen Lösungen zu profilieren, werden zwar unternommen, aber Erfolge und Risiken stehen oft in keinem gesunden Verhältnis zu einander. Kurzgesagt, umfassende Nutzung von Krankits reduziert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit eines Kranbauers eher als dass es sie stärkt.